67 Länderprofile auf 6 Kontinenten – von harten Strafen bis zur Legalisierung. Gesetze, Besitz-Grenzen, Cannabis-Regelungen und kulturelle Hintergründe verständlich erklärt.
Drogengesetze im internationalen Vergleich
Kaum ein Politikfeld ist so unterschiedlich geregelt wie der Umgang mit Drogen. Während Portugal den Eigenkonsum sämtlicher Substanzen entkriminalisiert hat, drohen in Singapur bereits für den Besitz geringer Mengen die Todesstrafe. Unsere 67 Länderprofile auf sechs Kontinenten zeigen, welche Regeln tatsächlich gelten, wo sich Gesetze gerade ändern und was das für Reisende und Betroffene bedeutet.
Die internationale Drogenpolitik bewegt sich zwischen zwei Polen: Entkriminalisierung und Prävention auf der einen Seite, Nulltoleranz und maximale Abschreckung auf der anderen. In Europa dominiert ein Trend zur Liberalisierung, angeführt von Deutschlands Cannabis-Teillegalisierung 2024. In weiten Teilen Asiens hingegen gelten die härtesten Drogengesetze der Welt.
Südamerika steht als Anbauregion vor besonderen Herausforderungen: Uruguay war 2013 weltweit das erste Land mit vollständiger Cannabis-Legalisierung. In Nordamerika prallen Kanadas föderale Legalisierung und das US-Bundesverbot aufeinander. Afrika zeigt mit Südafrikas Verfassungsurteil und Marokkos Cannabis-Reform, dass Reformen auch jenseits des westlichen Mainstreams stattfinden.
Alle Artikel sind journalistisch aufbereitet und mit Quellenverweisen versehen. Sie ersetzen keine Rechtsberatung, bieten aber den fundierten Überblick, der beim Thema Drogenpolitik oft fehlt. Da sich Gesetze jederzeit ändern können, empfehlen wir, vor einer Reise die aktuellen Bestimmungen des Ziellandes zu prüfen.
Länderprofile nach Kontinent
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Europa
25 Länder
Europa zeigt die größte Bandbreite in der Drogenpolitik: Von Portugals Vorreitermodell der Entkriminalisierung über die niederländische Coffeeshop-Toleranz bis zur strikten Nulltoleranz Schwedens. Die Cannabis-Teillegalisierung in Deutschland und Luxemburg markiert einen neuen Trend innerhalb der EU.
Asien setzt überwiegend auf harte Strafen: In Singapur, Malaysia und Indonesien droht die Todesstrafe bei Drogenhandel. Japan und Südkorea verfolgen kulturelle Nulltoleranz. Ausnahmen bilden Thailand mit seiner spektakulären Cannabis-Entkriminalisierung und Kambodscha mit laxer Durchsetzung.
Afrikas Drogenpolitik wird geprägt durch koloniale Gesetzgebung, wachsende Transitrouten und vereinzelte Reformansätze. Südafrika legalisierte privaten Cannabis-Konsum per Verfassungsurteil, Marokko reguliert medizinisches Cannabis. In vielen Staaten dominieren strenge Gesetze bei begrenzten Durchsetzungsressourcen.
Nordamerika vereint Extrempositionen: Kanada legalisierte Cannabis 2018 vollständig, während in den USA Bundesverbot und einzelstaatliche Legalisierung kollidieren. Mexiko kämpft mit Kartellgewalt trotz progressiver Gerichtsentscheidungen. Karibische Staaten wie Jamaika setzen auf Entkriminalisierung.
Südamerika steht zwischen Koka-Tradition und Kokain-Bekämpfung: Uruguay war 2013 weltweit das erste Land mit vollständiger Cannabis-Legalisierung. Kolumbien und Bolivien ringen um den Ausgleich zwischen indigener Koka-Kultur und internationalen Abkommen. Argentinien und Peru setzen auf partielle Entkriminalisierung.
Ozeanien umfasst mit Australien und Neuseeland zwei Staaten, die eigenständige Wege gehen. Australien experimentiert auf Bundesstaatenebene mit Cannabis-Reformen und Pillentesting. Neuseelands knapp gescheitertes Legalisierungs-Referendum von 2020 zeigte, wie nah das Land an einer grundlegenden Reform war.
Nein, Cannabis ist in den Niederlanden technisch gesehen illegal. Der Besitz von bis zu 5 Gramm wird jedoch geduldet (Toleranzpolitik). Coffeeshops dürfen unter strengen Auflagen an Erwachsene verkaufen – der Anbau und Großhandel bleiben aber verboten.
In welchen Ländern droht die Todesstrafe für Drogendelikte?
In mehreren südostasiatischen und nahöstlichen Staaten, darunter Indonesien, Singapur, Malaysia, Iran und Saudi-Arabien. Die Schwellenwerte variieren – in Indonesien kann bereits der Handel mit wenigen Gramm Heroin oder Kokain die Todesstrafe nach sich ziehen.
Was bedeutet Entkriminalisierung?
Entkriminalisierung heißt, dass der Besitz kleiner Mengen zum Eigenkonsum nicht mehr strafrechtlich verfolgt wird – er bleibt aber verboten. Statt Gefängnis drohen Bußgelder, Therapieauflagen oder die Einziehung der Substanz. Portugal, Tschechien und seit 2024 auch Deutschland (bei Cannabis) verfolgen diesen Ansatz.
Seit wann ist Cannabis in Deutschland teillegalisiert?
Seit dem 1. April 2024. Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm Cannabis besitzen und bis zu drei Pflanzen privat anbauen. Der kommerzielle Verkauf ist weiterhin verboten; der Konsum in Gegenwart von Minderjährigen ebenfalls.
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