Südamerikas Drogenpolitik im Überblick
Südamerika ist als Anbauregion für Koka und Cannabis seit Jahrzehnten im Zentrum der globalen Drogendebatte. Der Kontinent hat dabei einige der innovativsten Reformansätze weltweit hervorgebracht und steht gleichzeitig vor enormen Herausforderungen durch Anbau, Transit und Konsum.
Uruguay – der Pionier
Uruguay wurde 2013 zum weltweit ersten Land, das Cannabis vollständig legalisierte. Der Verkauf erfolgt über Apotheken, Cannabis-Clubs und Eigenanbau. Das Modell gilt als sozial orientiert – es zielt auf die Zurückdrängung des Schwarzmarkts und den Schutz der öffentlichen Gesundheit.
Die Koka-Frage
Kolumbien und Bolivien stehen vor einer einzigartigen Herausforderung: Der Koka-Anbau ist Teil der indigenen Kultur, gleichzeitig ist Kokain ein global gehandeltes Betäubungsmittel. Bolivien hat sich unter der UN-Drogenkonvention eine Ausnahme für das traditionelle Koka-Kauen erstritten. Kolumbien versucht, zwischen Friedensprozess, Kleinbauern-Schutz und internationaler Drogenbekämpfung zu vermitteln.
Entkriminalisierung und Reformdebatten
Argentinien hat den Eigenkonsum entkriminalisiert und medizinisches Cannabis legalisiert. Brasiliens Oberstes Gericht hat 2024 den Eigenkonsum ebenfalls entkriminalisiert. Ecuador erlaubt seit 2008 den Besitz kleiner Mengen, verfolgt aber Handel streng. Peru kombiniert legalen Koka-Anbau mit strikter Kokain-Bekämpfung.