Europas Drogenpolitik im Überblick
Europa ist der Kontinent mit der vielfältigsten Drogenpolitik weltweit. Auf engem Raum koexistieren Modelle, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während Portugal seit 2001 den Eigenkonsum sämtlicher Substanzen entkriminalisiert hat und international als Reformvorbild gilt, verfolgt Schweden eine der restriktivsten Drogenpolitiken Europas mit Nulltoleranz auch beim Eigenbesitz.
Die Niederlande sind mit ihrer Coffeeshop-Toleranzpolitik seit Jahrzehnten ein Sonderfall. Cannabis darf in lizenzierten Geschäften verkauft werden, obwohl Anbau und Großhandel illegal bleiben. Dieses als „Gedoogbeleid" bekannte Paradox beschäftigt die niederländische Politik bis heute.
Der Cannabis-Trend in der EU
Deutschland hat 2024 einen historischen Schritt gewagt und Cannabis für Erwachsene teillegalisiert. Luxemburg plant als erstes EU-Land den legalen Eigenanbau. Tschechien und Spanien tolerieren den Eigenbesitz kleiner Mengen bereits seit Jahren. Dieser Liberalisierungstrend steht im Kontrast zur konservativen Linie von Ländern wie Ungarn, Polen und Finnland.
Ost-West-Gefälle und Sonderwege
Osteuropäische Staaten wie Russland und die Ukraine verfolgen überwiegend restriktive Ansätze. Die Schweiz hat als Nicht-EU-Land mit ihrer Vier-Säulen-Politik ein international beachtetes Modell entwickelt, das Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression gleichgewichtig verbindet. Georgien überraschte 2018 mit einem Verfassungsgerichtsurteil, das Cannabis-Strafen kippte.
Trotz der unterschiedlichen nationalen Ansätze ist ein gesamteuropäischer Trend erkennbar: Weg von rein strafrechtlichen Lösungen hin zu gesundheitspolitischen Ansätzen, die Prävention und Schadensminderung in den Vordergrund stellen.