Entkriminalisierung: Der dritte Weg zwischen Verbot und Legalisierung
Entkriminalisierung bedeutet, dass der Besitz kleiner Mengen zum Eigenkonsum nicht mehr strafrechtlich verfolgt wird – die Substanzen bleiben aber verboten. Statt Gefängnis drohen Bußgelder, Therapieauflagen oder die Einziehung. Dieser Ansatz unterscheidet sich sowohl von der vollständigen Legalisierung als auch von der klassischen Prohibitionspolitik.
Portugal: Das Modell, das die Welt veränderte
Portugal entkriminalisierte 2001 den Eigenkonsum sämtlicher Substanzen – ein damals beispielloser Schritt. Erwischte Konsumenten werden vor „Dissuasionskommissionen" geladen, die aus Sozialarbeitern, Juristen und Psychologen bestehen. Das Ergebnis nach über zwei Jahrzehnten: drastisch gesunkene HIV-Infektionsraten unter Drogennutzern, weniger Drogentote und eine stabile Konsumrate. Das portugiesische Modell gilt heute als globale Blaupause für evidenzbasierte Drogenpolitik.
Europa: Ein Kontinent im Wandel
Tschechien hat den Eigenbesitz kleiner Mengen sämtlicher Substanzen entkriminalisiert und definiert exakte Grenzwerte. Spanien stellt den privaten Konsum nicht unter Strafe – in Cannabis Social Clubs ist der gemeinschaftliche Anbau legal. Italien, Belgien und Kroatien haben den Eigenbesitz zu Ordnungswidrigkeiten herabgestuft. Die Schweiz hat Pilotprojekte zur regulierten Cannabis-Abgabe gestartet.
Deutschland hat mit der Cannabis-Teillegalisierung 2024 den Eigenbesitz entkriminalisiert. Luxemburg und Georgien haben ähnliche Schritte unternommen.
Lateinamerika: Entkriminalisierung als Antwort auf den Drogenkrieg
Kolumbien erlaubt die sogenannte „persönliche Dosis" – 20 Gramm Cannabis oder ein Gramm Kokain. Argentiniens Oberstes Gericht erklärte die Bestrafung des Eigenkonsums für verfassungswidrig. Mexiko, Costa Rica, Peru, Ecuador und Paraguay haben den Eigenbesitz in unterschiedlichem Umfang entkriminalisiert.
Globale Perspektive
Südafrika legalisierte den privaten Konsum per Verfassungsurteil. Australien hat im Capital Territory Canberra Cannabis entkriminalisiert und setzt in weiteren Bundesstaaten auf Diversion statt Strafverfolgung. Jamaika hat den Besitz kleiner Mengen entkriminalisiert und religiöse Ausnahmen für Rastafari geschaffen. Uruguay ging 2013 über die Entkriminalisierung hinaus zur vollständigen Legalisierung.
Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Entkriminalisierung führt nicht zu steigendem Konsum, reduziert aber die sozialen und gesundheitlichen Schäden der Prohibition erheblich. Die Weltgesundheitsorganisation und UNAIDS empfehlen die Entkriminalisierung des Eigenkonsums als Best Practice.