Gesetze, Cannabis Social Clubs & die Lage auf Teneriffa, Gran Canaria & Co.
Die Kanarischen Inseln gehören zu den beliebtesten Reisezielen deutscher Urlauber — rund fünf Millionen Deutsche besuchen jährlich Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote oder La Palma. Was viele nicht wissen: Auf den Kanaren gelten dieselben Drogengesetze wie auf dem spanischen Festland. Der Besitz kleiner Mengen Cannabis ist zwar keine Straftat, aber eine Ordnungswidrigkeit — und die Polizei auf den Inseln kontrolliert deutlich häufiger, als viele Touristen erwarten.
Rechtslage: Was ist erlaubt, was nicht?
In ganz Spanien regelt das Ley Orgánica 4/2015 (Ley Mordaza) den Umgang mit Cannabis im öffentlichen Raum. Der Konsum und Besitz in der Öffentlichkeit wird mit Bußgeldern zwischen 601 und 30.000 Euro geahndet. Im privaten Raum — also in der eigenen Wohnung — ist der Konsum hingegen nicht strafbar. Eine gesonderte autonome Regelung für die Kanarischen Inseln gibt es nicht.
Für Touristen bedeutet das konkret: Wer am Strand, im Park oder auf der Straße mit Cannabis erwischt wird, riskiert eine Anzeige und ein empfindliches Bußgeld. Besonders an den touristischen Hotspots auf Teneriffa (Playa de las Américas, Los Cristianos) und Gran Canaria (Playa del Inglés, Las Palmas) sind regelmäßig Zivilstreifen unterwegs.
Cannabis Social Clubs auf den Kanaren
Ähnlich wie auf Mallorca existieren auch auf den Kanarischen Inseln Cannabis Social Clubs (CSC). Die höchste Dichte findet sich auf Teneriffa, wo sich vor allem in Santa Cruz de Tenerife und im Süden der Insel mehrere Clubs etabliert haben. Auch auf Gran Canaria — insbesondere in Las Palmas — und vereinzelt auf Fuerteventura und Lanzarote gibt es aktive Vereinigungen.
Der Zugang ist grundsätzlich nur für volljährige Mitglieder mit Wohnsitz in Spanien vorgesehen. Die Clubs operieren als private Vereine (asociaciones), in denen Mitglieder gemeinsam Cannabis für den Eigenkonsum anbauen. Touristen werden in der Praxis zwar gelegentlich aufgenommen, bewegen sich damit aber in einer rechtlichen Grauzone — die spanischen Gerichte haben wiederholt klargestellt, dass CSCs kein Recht auf kommerzielle Abgabe haben.
Moratorium und Razzienwelle 2024
Das Jahr 2024 markierte einen Wendepunkt für die Cannabis-Club-Szene auf den Kanaren. Die Behörden gingen mit einer beispiellosen Härte gegen Clubs vor, die sich von reinen Eigenkonsum-Vereinen zu kommerziellen Vertriebsstrukturen entwickelt hatten:
- Las Palmas (Gran Canaria), Februar 2024: Sechs Cannabis Social Clubs wurden gleichzeitig durchsucht. 17 Personen wurden festgenommen, große Mengen Marihuana und Bargeld sichergestellt. Die Guardia Civil warf den Betreibern organisierten Drogenhandel vor.
- Operation Brotherbross (Teneriffa), 2024: 14 Festnahmen, Beschlagnahmung von über 70 Kilogramm Marihuana sowie Waffen. Die Ermittler stellten fest, dass mehrere Clubs als Deckmantel für professionellen Drogenhandel dienten.
- Fuerteventura, November 2024: Das Tribunal Superior de Justicia de Canarias (TSJC) bestätigte Haftstrafen von fünf Jahren für Club-Betreiber wegen Drogenhandels — ein Urteil mit Signalwirkung für die gesamte Inselgruppe.
Auf Teneriffa gilt zudem ein Moratorium für neue Club-Lizenzen. Die Stadtverwaltung von Santa Cruz hat die Vergabe neuer Genehmigungen bis auf Weiteres ausgesetzt, um den unkontrollierten Wildwuchs einzudämmen.
Cannabis am Steuer: Null-Toleranz-Politik
Wer auf den Kanarischen Inseln einen Mietwagen fährt, sollte die strenge Drogenpolitik im Straßenverkehr kennen. Die spanische Verkehrsbehörde DGT (Dirección General de Tráfico) verfolgt eine Null-Toleranz-Strategie: Bereits der Nachweis von THC im Speichel führt zum sofortigen Führerscheinentzug und einem Bußgeld von mindestens 1.000 Euro.
Seit 2025 gelten verschärfte Regeln, die eine sofortige vorläufige Fahrerlaubnissperre bei positivem Drogentest ermöglichen — auch ohne Blutprobe. Die Guardia Civil setzt auf den Kanaren regelmäßig Speicheltests ein, besonders an Wochenenden und in der Nähe von Diskotheken und Clubs.
Wichtig zu wissen: THC ist im Speichel noch bis zu 24 Stunden nach dem Konsum nachweisbar, im Urin bei regelmäßigem Konsum sogar mehrere Wochen. Wer vor dem Urlaub konsumiert hat, kann also auch auf den Kanaren noch positiv getestet werden.
La Gomera, La Palma & die kleineren Inseln
Auf den kleineren Kanarischen Inseln wie La Gomera, La Palma und El Hierro ist die Cannabis-Szene deutlich weniger ausgeprägt. Es gibt dort keine bekannten Cannabis Social Clubs. Die ländliche Struktur und die geringere Einwohnerzahl machen es für solche Vereinigungen wirtschaftlich und organisatorisch schwieriger. Dennoch gilt auch hier dasselbe Gesetz — der öffentliche Konsum wird ebenso geahndet wie auf Teneriffa oder Gran Canaria.
Medizinisches Cannabis: Kanarisches Parlament pro Legalisierung
Im Mai 2024 stimmte das Kanarische Parlament für eine Resolution zugunsten der Legalisierung von medizinischem Cannabis. Der Beschluss hat zwar keine unmittelbare Gesetzeskraft — die Gesetzgebungskompetenz liegt beim spanischen Zentralstaat —, sendet aber ein politisches Signal. Spanien verfügt bislang über kein umfassendes Programm für medizinisches Cannabis, anders als etwa die Niederlande, Portugal oder Deutschland, wo seit 2024 Cannabis teillegalisiert ist.
Tipps für Urlauber auf den Kanaren
- Kein öffentlicher Konsum: Am Strand, auf der Promenade oder im Hotel — überall drohen Bußgelder ab 601 Euro.
- Cannabis Social Clubs sind kein Coffeeshop: Die Clubs sind keine niederländischen Coffeeshops. Der Zugang ist an eine Mitgliedschaft gebunden und die rechtliche Lage unsicher.
- Mietwagen & Verkehrskontrollen: Null Toleranz bei THC im Straßenverkehr. Ein positiver Speicheltest bedeutet mindestens 1.000 Euro Bußgeld und Führerscheinentzug.
- Vor der Reise testen: Wer regelmäßig Cannabis konsumiert und auf den Kanaren Auto fahren will, sollte vorher mit einem THC-Schnelltest prüfen, ob noch Rückstände nachweisbar sind.
- Kein Mitbringen nach Deutschland: Die Einfuhr von Cannabis nach Deutschland ist auch nach der Teillegalisierung strafbar. Am Flughafen wird kontrolliert.
Fazit: Mehr Risiko als viele denken
Die Kanarischen Inseln sind trotz der Existenz von Cannabis Social Clubs kein Cannabis-Paradies. Die Razzienwelle 2024 hat gezeigt, dass die Behörden auch vor mehrjährigen Haftstrafen nicht zurückschrecken. Für Touristen gilt: Wer sich an die Regeln hält — kein öffentlicher Konsum, kein Fahren unter Einfluss —, hat nichts zu befürchten. Wer die Grenzen austestet, riskiert hohe Bußgelder, Führerscheinentzug oder im schlimmsten Fall eine MPU bei Rückkehr nach Deutschland.
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